Es schien wie eine Weinverkostung zweier Freunde, welche sich gerne mal auf einen Wein treffen, da sie sich sehr schnell auf eine Sorte einigen können. Was auch immer der Weinhändler verkosten lässt, jeder Wein wird mit ähnlichen Beschreibungen abgetan, auch wenn sie sich sprachlich anders ausdrücken und lächeln sich wohlwollend zu, wenn sie ihn genießen.
Falls eine Frage nicht so schmecken sollte, konnte erwartet werden, dass sie sich auch da einig sind. Und gab es doch einmal Meinungsunterschiede stießen sie fröhlich zusammen auf den nächsten Wein an und hofften, dass dieser beiden schmeckt. Wenn dann doch wieder ein ähnliche Frage angeboten wurde, ist kurz darauf hingewiesen worden und einer von beiden redete den Fragesteller mit öden Satzkonstruktionen tot. Ein Zusammentreffen mit Belobigungen, Schlichtungen und Ergänzungen, die sich in Harmonie hüten. Floskeln, Verallgemeinerungen und einen Anspruch auf die Redezeit, ohne wirklich etwas sagen zu wollen sind beliebte Stilmittel und die Langeweile wird in ein quälendes Gefühl gesteigert.
Beliebte Worte sind “wir” und “Große Koalition”, immer wenn sie genannt werden wartet man gespannt auf einen kritischen Unterton und umso länger man wartet, desto eher wünschte man man könnte mit jemandem Wetten, wann es endlich dazu kommt und könnte davon ausgehen, dass der wahrscheinlichste Tipp ein “Garnicht” wäre. Überhaupt hätte man gerne jemanden zum Duell gucken eingeladen und hätte Spielchen gespielt und Schnittchen gemacht. EIn typischer Fernsehabend, wie er von vielen zu “Germanys next Topmodel” gemacht wird, nur halt zum Kanzlerduell. Denn dazu war genug Zeit, ohne auch nur etwas Spannendes zu verpassen.
Gut… der Steinmeier konnte ab und zu mal ein kleinen Stupser loslassen, nur Stupser wirken eher wie ein kumpelhaftes Necken und man freut sich mit ihnen, wenn sie sich danach anlächeln und zunicken. Diese beiden sind wohl unzertrennlich und würden sich freuen, wenn diese Freundschaft noch lange hält.
Nach einer Stunde gab es dann endlich doch ein paar Anfeindungen, obwohl wir hier von Anfeindungen von Freunden sprechen, also keine große Sache. Das kam wohl auch nur durch den ausgeschenkten Wein, denn so langsam wussten sie, dass die Verkostung bald zu Ende ist. Doch sprachlich war es eher eine anstrengende Veranstaltung. Auch die ausgewählten Moderatoren langweilen sich immer mehr, sprechen sogar von einem alten Ehepaar in einer harmonischen Beziehung und hofft eine Frage zu finden, die die Gemüter spaltet, aber dass stößt den beiden eher schlecht auf und verweisen auf eine gute Freundschaft der Vergangenheit. Und so hoffen alle, es geht bald zu Ende.
Doch als es um das Thema “andere Freunde” geht, dann lässt sich bei beiden eine gewisse Eifersucht feststellen und der Ton wird etwas härter, so wird den Zuschauern letztends die Freundschaft der beiden nahegelegt bzw. die anderen ausgekontert und es glauben doch beide insgeheim innig an eine Liebe. Die Floskeln setzten dem ganzen noch den Hut auf und die letzten Worte hätte man sich sparen können, sodass die Verlängerung ausbleibt, was selbst noch im Abspann als Erlösung aus dem Tal der Langeweile nachhallt.
Ich geh ins Bett und träume von einem Duell zwischen Stoiber und Gysi.